Johann Kresnik (* 1939 in St. Margarethen, Kärnten) ist ein österreichischer Tänzer, Choreograph und Theaterregisseur.

Seine Laufbahn begann Johann Kresnik in Graz, wo er parallel zu einer Werkzeugmacherlehre als Statist an den Vereinigten Bühnen arbeitete und eine Schauspiel- und Tanzausbildung begann. 1959 wurde Kresnik als Gruppentänzer in Graz und ab 1960 nach Bremen engagiert. 1962 ging er an die Bühnen der Stadt Köln, wo er von 1964 bis 1968 als Solotänzer arbeitete.

1967 choreographierte er sein erstes Stück, eine Collage aus Texten von Patienten, die an Schizophrenie erkrankt sind: O seal pei. 1968 folgte Paradies?. Hier thematisierte Kresnik u.a. das Attentat auf Rudi Dutschke.

Im selben Jahr engagierte Kurt Hübner den knapp dreißigjährigen Kresnik als Ballettdirektor an das Bremer Theater. Er erregte schnell Aufsehen mit seinen kritischen, politisch motivierten Ballettstücken. 1990 entstand Ulrike Meinhof. Im Februar 1992 wurde Frida Kahlo uraufgeführt, ein Stück über Leben und Werk der mexikanischen Malerin. Wendewut brachte Kresnik ein Jahr später auf die Bühne. Darin beschreibt er in Anlehnung an die gleichnamige Erzählung von Günter Gaus die Geschichte einer DDR-Mitläuferin, die im Deutschland der Wendezeit in ihrem Wunsch nach Anpassung an die bundesrepublikanische Gesellschaft scheitert.

Mit Beginn der Spielzeit 1994/95 wechselte Johann Kresnik mit seinem Ensemble an die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin. Hier wurde im Dezember 1994 das choreographische Stück Ernst Jünger uraufgeführt, eine Anti-Kriegs-Revue, in der sich Kresnik kritisch mit dem militaristischen Gedankengut des hundertjährigen Autors auseinandersetzt. Im April 1995 schloss Kresnik seine Trilogie über Wegbereiter, Mitläufer und Begleiter der Nationalsozialismus ab. Nach Nietzsche und Ernst Jünger wählte er das Leben des Schauspielers, Regisseurs und Intendanten Gustaf Gründgens als Vorlage für ein Stück, das, in Koproduktion zwischen der Volksbühne und dem Deutschen Schauspielhaus, in Hamburg uraufgeführt wurde.

In den letzten Jahren produzierte Johann Kresnik seine Stücke an zahlreichen Bühnen, häufig auch in enger Zusammenarbeit mit Librettisten, Komponisten und Bildenden Künstlern. Er wurde mehrfach für seine künstlerische Arbeit ausgezeichnet. Zusammen mit seinem Ensemble gastierte er bei bedeutenden Festivals in der ganzen Welt.

Seit der Spielzeit 2003/2004 leitet Johann Kresnik das "Choreographische Theater" der Stadt Bonn. Mit Hannelore Kohl zeigte er im Dezember 2004 auf der Bühne der ehemaligen Bundeshauptstadt die Lebensgeschichte der Gattin des Bundeskanzlers a.D. Hannelore Kohl ist darin zugleich Opfer und Täterin. Sie unterstützt den Aufstieg ihres Mannes zum Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Auf dem Höhepunkt seiner Macht beginnt ihre Leidenszeit. Nach Helmut Kohls Niederlage und nach dem Bekanntwerden seiner Verstrickungen in die Spendenaffäre der CDU verschlimmert sich Hannelore Kohls Krankheit. Sie zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück und nimmt sich vereinsamt das Leben.


Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.